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Erst 48 Jahre nach Kriegsende wurde 1993 im ‚Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager‘ (DIZ) in Papenburg eine Dauerausstellung eröffnet, die umfangreich über die Geschichte der Emslandlager informierte.
Die Ausstellung bestand bis zum Umzug des DIZ in die Gedenkstätte Esterwegen im Jahr 2011.
Der erste Blick nach dem Betreten der Ausstellung:
Der erste Blick fiel auf das Modell des Lagers II Aschendorfer Moor. Dahinter SA-Wachmannschaften. Das Lagermodell hatte der ehemalige Häftling Willi Pütz lange Zeit nach dem Krieg aus seiner Erinnerung heraus in seinem Keller gebaut. Er schenkte es dem DIZ und kam häufiger aus dem Ruhrgebiet, um kleine Reparaturen oder Veränderungen vorzunehmen.

Die Hauptsache erkennen:
Knochenarbeit unter unmenschlichen Bedingungen im Moor. Angeblich sollte durch die Arbeit im Moor fruchtbares Siedlungsland geschaffen werden. Mögliche produktive Maschinenarbeit wurde jedoch bewusst vermieden, damit die schwere Arbeit als harte Strafe erlebt wurde. Die Arbeit wurde ständig von Terror und Misshandlungen begleitet, um den Willen der Gefangenen zu brechen. Innerhalb und außerhalb des Lagers nur Quälerei. Der Nationalsozialismus duldete keinerlei Diskussion und Widerspruch. Wirtschaftlich waren die Arbeiten weitgehend erfolglos.

Die Hauptsache erkennen:
‚Bettenbauen‘ in den Lagerbaracken als Folterwerkzeug. Erniedrigung bis zur Vernichtung der Menschen, die dem Nationalsozialismus gegenüberstanden, war das erklärte Ziel der Nazis. Der Öffentlichkeit gegenüber wurde dies nicht verschwiegen und gleichzeitig als Großtat zur Erreichung der Einheit von Führerwillen (Hitler) und angeblichem Volkswillen dargestellt. Innerhalb der Lager waren die Häftlinge ebenfalls jeder Willkür ausgeliefert.

Sehen, wie das Menschliche gegen die Nazis bewahrt wird:
Die Gefangenen der Emslandlager versuchten auf vielfältige Weise ihr Selbstwertgefühl gegen die Nationalsozialisten zu behaupten. In Pulten und Vitrinen sieht man Zeugnisse dieses Widerstandswillens. Dazu zählen unter anderem Lieder, vor allem das ‚Moorsoldatenlied‘, zahlreiche frühe Berichte über die Lager, Briefe und Postkarten an die Familie, Zeichnungen und Schnitzereien aus Mooreiche. Insbesondere der Bericht von Wolfgang Langhoff fand sehr schnell internationale Beachtung und erschien als Buch „Die Moorsoldaten“ in kurzer Zeit in vielen Ländern.

Sehen, wie das Menschliche gegen die Nazis bewahrt wird:
Zahlreiche Skulpturen aus im Moor gefundenen schwarzen Holzstücken (Mooreiche) sind in der äußerst knappen Freizeit entstanden. Die Gefangenen insbesondere in der frühen Lagerzeit waren häufig sehr gute Handwerker, manche auch ausgebildete Künstler. Durchweg waren die politischen Häftlinge Menschen, die intellektuell besonders hervorgetreten waren.

Erkennen, dass der Krieg nochmal alles verschlimmerte:
Während des Krieges wurden aus vielen Ländern Menschen in die Emslandlager verbracht, unter anderem polnische Zivilisten als angebliche Kriegstäter, Zwangsrekrutierte aus Luxemburg, belgische und französische Widerstandskämpfer. In den südlichen Lagern wurden vor allem Kriegsgefangene aus Polen, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Jugoslawien, Griechenland und der Sowjetunion inhaftiert. Die Höchstzahl betrug 49.000 Kriegsgefangene. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden auch italienische Militärinternierte eingesperrt.

Erkennen, dass der Krieg nochmal alles verschlimmerte:
Die Haftsituation der Gefangenen verschlechterte sich unter den Bedingungen des Krieges noch einmal dramatisch. Insbesondere die sowjetischen Kriegsgefangenen hatten massenhaft Todesopfer infolge der abscheulichen Verpflegung und Unterbringung zu beklagen.

Erleben, dass es viele Formen der Verarbeitung dieser Geschichte gibt:
Der zeitgenössische Künstler Detlef Kappeler verarbeitet das Gefangensein unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Lager in seinem Gemälde „Lagerleben“. Kappeler hat sich künstlerisch insbesondere mit Carl von Ossietzky beschäftigt, der im Konzentrationslager Esterwegen inhaftiert war.

Wer sich tiefergehend mit vielen weiteren Aspekten der ehemaligen Dauerausstellung des DIZ beschäftigen möchte, findet hier eine Verknüpfung zu einer umfassenden Präsentation der Ausstellung auf einer zweiten Ebene.
Wer sich mit wissenschaftlichem Interesse der ehemaligen Dauerausstellung des DIZ zuwenden möchte, kann dies auf einer dritten Ebene tun. Dort finden sich viele zusätzliche Quellenangaben, Aufsätze und Einordnungen in den historischen Entstehungszusammenhang der Ausstellung. Dafür muss man sich allerdings mit dem hinterlegten Formblatt registrieren. Gegebenenfalls wird dann auch weitere Hilfestellung angeboten.
