
Auf dieser Seite wird die ehemalige Dauerausstellung des DIZ so umfassend dargestellt, wie es anhand von erhaltenen Fotografien und Ausstellungstexten möglich ist. Dazu treten einige ergänzende Hinweise zum besseren Verständnis.
Eine wissenschaftliche Betrachtung der Entstehungszusammenhänge kann in einem besonderen Bereich nach Registrierung eingesehen werden.
Hinweis: Die Ausstellung war so organisiert, dass es grundsätzlich keinen vorbestimmten Rundgang gab, dennoch erfolgte gewöhnlich nach einem kurzen Innehalten zur Orientierung im Raum zunächst eine Hinwendung zu einem großen Modell des ‚Lagers II Aschendorfer Moor‘ (vergleiche die Darstellung auf der Eingangsseite / Ebene 1).
Die Darstellung hier beginnt mit dem Orientierungsblick unmittelbar nach Betreten des Ausstellungsraums.

Der Blick nach halblinks zeigt ein Großfoto mit dem brennenden Reichstag in Berlin in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933. Eingeblendet ist ein Wahlplakat der NSDAP zur Reichstagswahl ein paar Tage später am 5. März 1933. Die Nationalsozialisten behaupten auf dem Plakat, der Reichstag sei von Kommunisten in Brand gesteckt worden. Eine weitere Einblendung zeigt den Publizisten und Pazifisten Carl von Ossietzky im Konzentrationslager Esterwegen. Er war noch in der Nacht des Reichstagsbrands verhaftet und im Februar 1934 in das im Sommer 1933 fertiggestellte Konzentrationslager Esterwegen verbracht worden.
Rechts neben dem Großfoto ist eine Texttafel mit der Auflistung einiger Daten zu sehen, die den kurzen und schnellen Ablauf der Errichtung von Lagern zur Unterbringung politischer Häftlinge aufzeigt:
1933 – 6 Monate
27.2. Nachts brennt der Reichstag
28.2. Am frühen Morgen Verhaftung politischer Gegner, unter ihnen Carl von
Ossietzky, später Häftling im Konzentrationslager Esterwegen
5.3. Wahl des letzten Reichstags
17.3. Anfrage des preuß. Innenministers Göring an den Regierungspräsidenten
in Osnabrück, ob 250-300 politische Gefangene untergebracht und
beschäftigt werden können
25.3. Antwort des Regierungspräsidenten: Unterbringung im Wirtschaftshof A
(Börgermoor) und Arbeitseinsatz in den Mooren möglich
5.4. Auftrag des preuß. Innenministers an den Regierungspräsidenten:
Einrichtung von mehreren Lagern für 3.000-5.000 politische Häftlinge
6.4. Detaillierte Kostenaufstellung des Kulturbauamtes Meppen
19.5. Beschluss des preuß. Innenministers: Errichtung von zwei
Konzentrationslagern (Börgermoor, Esterwegen)
20.6. Beschluss zur Errichtung eines dritten Konzentrationslagers
(Neusustrum)
22.6. Eintreffen der ersten 90 Häftlinge in Börgermoor
17.8. Konzentrationslager Börgermoor und Esterwegen mit 3.000
»Schutzhäftlingen« belegt
Links vom Großfoto ist ein gläsernes Banner aufgespannt mit einem Zitat des ehemalgen Häftlings Karl Schröder (Lager I Börgermoor und Lager IV Walchum 1939/40):
»Gestern habe ich zum ersten Male darüber gesprochen.
Da-rü-ber. Wovon ich wohl drei Jahre nicht sprechen wollte.
Oder nicht konnte? Ich weiß es nicht.
Einmal habe ich es versucht, zu sprechen – ich weiß es noch gut.
Es war in jener Silvesternacht, einen Monat erst nach der Rückkehr von d o r t.
Was ich gesprochen aber, weiß ich nicht mehr;
ich war trunken und ganz aus den Fugen, schrie und lärmte und weinte;
haltlos weinte ich, und sie tropften mir Opium ins Glas,
das ich Ruhe finden sollte.
Dann legte sich wieder der Deckel über den Sarg
und ich – ich selber – schlug Nagel um Nagel ein,
voll Angst, voll – ich weiß nicht was –
daß Tote noch einmal aufstehen könnten,
mich überfallen, mich anstarren – vielleicht gar im Dämmer,
in regnerischer Düsterkeit, im Schummer verdorrter Heide …«

Der Blick nach halbrechts fällt auf das oben erwähnte Lagermodell des ‚Lagers II Aschendorfer Moor‘. Dahinter ein Großfoto einiger angetretener SA-Wachmänner, dahinter eine Installation einiger Wachleute während ihrer Freizeit. Rechts hinten eine drehbare Informationssäule mit angehefteten Info-Blättern.
Hinweis: Der Ausstellungsraum ist fensterlos, nur künstlich erhellt. Größere quadratische Leuchten bewirken eine Grundhelligkeit. Kleinere Halogenstrahler an einem Schienensystem unter der Decke setzen gezielte Helligkeiten.
Die Raumdecke besteht aus Sichtbeton, der Fußboden ist mit herausnehmbaren Betonplatten ausgelegt. Darunter befinden sich Installationsleitungen.
Die Wände bestehen aus weiß gestrichenen Kalksandsteinen.
(…)
